28.10.2002

Dr. John Vickers: Competition Economics and Policy (Vortrag)

Großbritannien
Office of Fair Trading
Wettbewerbspolitik

http://www.oft.gov.uk
Dr. Vickers, Generaldirektor der britischen Wettbewerbsbehörde (Office of Fair Trading), hat am 3. Oktober 2002 in Oxford anlässlich der Eröffnung eines neuen Universitätsgebäudes einen interessanten Vortrag über Wettbewerbstheorie und Wettbewerbspolitik gehalten. Er setzt sich darin auch mit den Unterschieden zwischen dem Kriterium der Marktbeherrschung und dem SLC-Test in der Fusionskontrolle auseinander.

Der Vortrag beginnt zunächst mit einem Zitat von Keynes:

„The ideas of economists and political philosophers, both when they are right and when they are wrong, are more powerful than is commonly understood. Indeed the world is ruled by little else. Practical men, who believe themselves to be quite exempt from any intellectual influence, are usually the slave of some defunct economist. Madmen in authority, who hear voices in the air, are distilling their frenzy from some academic scribbler of a few years back”.

Es folgen Ausführungen zu allgemeinen Entwicklungen in der Wettbewerbstheorie und speziell zu den Entwicklungen in den USA. Auch darin ist ein anschauliches Zitat von Ronald Coase enthalten:

„If an economist finds something  - a business practice of one sort or another -  that he does not understand, he looks for a monopoly explanation. And as in this field we are very ignorant, the number of ununderstandable practices tends to be very large, and the reliance on monopoly explanation, frequent.”

Im zweiten Teil des Vortrages geht Dr. Vickers auf die jüngsten Änderungen in der britischen Fusionskontrolle ein (Enterprise Bill: klarere Zuständigkeiten für OFT und die Competition Commission), besonders aber auf die „beträchtliche Verminderung des Wettbewerbs“ (substantial lessening of competition - SLC) als Maßstab der Fusionskontrolle. Bekanntlich wird erörtert, ob auch in der europäischen Fusionskontrolle die Marktbeherrschung durch dieses Kriterium ersetzt werden sollte. Zum SLC-Test bereitet das OFT Richtlinien vor. Sie beziehen sich auf paralleles und abgestimmtes Verhalten (unilateral and coordinated effects), die Marktdefinition und die Effizienzen.

Bei den Effizienzen sind zwei Arten zu unterscheiden:
Die Beweislast liegt bei den Parteien des Zusammenschlusses. Der Standard ist hoch (compelling evidence: efficiencies have to be demonstrable, a direct consequence of the merger and of sufficient benefit to customers and consumers).

Zur europäischen Diskussion um Marktbeherrschung oder SLC-Test stellt Dr. Vickers zwei Fragen:
Wenn diese Antworten richtig sind, ist der SLC-Test dem Marktbeherrschungstest überlegen. Mit der Marktbeherrschung erfasst man Fusionen nicht, die den Wettbewerb verringern, ohne dass stillschweigende Koordination wahrscheinlich wird. Ist diese Kategorie praktisch relevant? „I doubt that this is an empty box.“ Darüber wird in der Diskussion über die Änderung der Fusionskontrollverordnung noch zu sprechen sein.